Portraitworkshop bei der Leica-Akademie

 

Diese Woche war ich in Wetzlar, bei einem Portraitworkshop der Leica-Akademie. Meine Frau hatte mir den Workshop zum Geburtstag geschenkt und ich muss gestehen, dass ich eifrig darauf hingefiebert habe. Der Kurs startete Montag morgens um neun Uhr. Wir Teilnehmer wurden im Foyer der Leica-Hauptzentrale von unserem Kursleiter in Empfang genommen. Der Seminarraum, in den wir geführt wurden war bestens ausgestattet mit leistungsstarkem Beamer, einem Mac-Book für jeden Teilnehmer, zwei A3 FineArt-Printern von Epson und einem mit Objektiven gespickten Schrank. Auch für das persönliche Wohlergehen der Teilnehmer war bestens gesorgt durch einen mit kalten Getränken gefüllten Kühlschrank und der kostenfreien Benutzung des Espressoautomatens. Auf den Tischen der Teilnehmer fanden sich noch einige Werbegeschenke, die Kurunterlagen, zwei Speicherkarten sowie - das Highlight - eine persönliche Leica S Mittelformatkamera. Unsere beiden Referenten, Oliver Vogler und Oliver Richter erwiesen sich als sehr kompetente Lehrer und Fotografen. Den Vormittag des ersten Tages verbrachten wir mit etwas Theorie zum Thema Portraitfotografie, der Arbeit mit Modellen und einer kurzen Einführung in die Handhabung der Leica S.

Das Mittagessen nahmen wir in der hauseigenen Kantine der Leica AG, zusammen mit den Firmenmitarbeitern ein. Ich fand es bezeichnend, welchen Eindruck alleine dieser Kantinenbesuch auf mich hinterlassen hat. Architektur, das Klientel und das Essen waren äußerst interessant. Das ganze Leica-Gebäude erwies sich in den beiden Tagen als überaus durchdacht, ansprechend und fotogen. So war das auch in der Kantine, in der großformatige Prints an den Wänden hingen. Das Essen war eines guten Restaurants würdig. Ich hatte den Honigbraten, der wirklich ein Gedicht war. Die Angestellten teilten sich in zwei Gruppen: Kittelträger aus Produktion und Forschung und den gut gekleideten Büroangestellten. Gerade die Kittelträger waren sehr interessant und erinnerten teilweise doch sehr an Oscar Barnack. Während des Essens gesellten sich auch die beiden Models und die Visagistin zu uns.

 

Nach dem Mittagessen begann es spannend zu werden. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt, und arbeiteten jeweils mit einem Modell. Während die eine Gruppe im hauseigenen Fotostudio, welches im Zentrum des Leica-Shops liegt fotografierte war die andere Gruppe im Haus unterwegs. Anschließend wurde immer getauscht, so dass jeder alle Settings zur Verfügung hatte. Obwohl ich erst dachte, dass das Fotografieren im Haus eine Notlösung sei, da man nur ein Studio zur Verfügung hatte, musste ich meine Meinung doch recht schnell revidieren. Im Gegenteil: Dieses Gebäude ist dermaßen fotogen, dass die Studioaufnahmen dagegen eher beliebig wirkten. Großzügige Treppen, weite Flächen, Ausstellungsräume und sonnendurchflutete Flure machen die Leica-Zentrale zum heimlichen Star des Shootings. Da konnte man auch verschmerzen, dass man auf einen Studioblitz beschränkt blieb.

 

Ganz anders im Fotostudio. Hier gab es alles was das Herz begehrte: große Broncolor Blitzanlagen, eine automatisches Hintergrundsystem, elektrisch verfahrbare Deckenblitze und Lichtwannen. Dazu kam, dass man direkt in den Rechner fotografierte, also "tetherd shotting" über Kabel nach Lightroom zur Verfügung hatte. Auf dem großen Eizo Bildschirm, der mit dem PowerMac verbunden war konnte man sofort die Wirkung der Bilder beurteilen und auch die Fehler im Bildaufbau direkt ausmerzen. Kein Vergleich zum gewohnten Blick auf das Kameradisplay, das für gewöhnlich reichen muss. Man durfte nur nicht den Fehler machen auf die Haut der Modelle zu zoomen, die dann jedes Mal die Krise bekamen. Die Mittelformatkamera Leica S mit entsprechenden Optiken davor löst gnadenlos scharf auf man erkennt dort jede Pore, jedes Haar. Eigentlich schon "too much" für ein Portraitshooting. Es war eine erstaunliche Erfahrung, wie kaputt man ist, nach einem Nachmittag Fotografieren. Wie kaputt müssen erst die Modelle gewesen sein? So war auch keiner böse. als um kurz nach 18:00 Uhr dann Schicht im Schacht war. 

 

Am nächsten Tag war dann "nur noch" Retusche, Bildbesprechung und Ausdrucken der drei besten Bilder vorgesehen. Rückblickend muss ich gestehen, dass der Lerneffekt an diesem Tag am größten war, da in kurzer Zeit meine Lightroom-Skills doch deutlich erweitert wurden. Wenn man immer nur alleine vor Lightroom sitzt müssen neue Funktionen hart erarbeitet werden, was hier einfach durch Abgucken und Fragen passierte,

 

Erst mal musste man für sich seine besten fünf Bilder heraussuchen. Klingt leichter als es war. Im Zweifelsfall entschied die Perfektion des Bildaufbaus darüber, welches Bild man nahm. Schon erstaunlich, wie pingelig man da werden kann, wenn nur die Auswahl groß genug ist. Jetzt kam die Retusche in Lightromm dran, die, nicht zuletzt durch die wahnsinnige Auflösung der verwendeten Kamera doch recht aufwendig ausfiel. Die ausgewählten fünf Bilder wurden dann in der Gruppe besprochen und teilweise noch anders bearbeitet. Letztendlich musste man sich noch einmal auf zwei Fotos beschränken, die auf edlem Hahnemühle-Papier ausgedruckt wurden. Ein Foto pro Teilnehmer, dass der Kursleiter persönlich am besten fand wurde dann ebenfalls noch geprintet, so dass man letztendlich drei Ausdrucke mit nach Hause nehmen konnte.

 

Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Führung durch das Gebäude. Die hätte für meinen Geschmack deutlich ausführlicher ausfallen können, da man nicht viel mehr zu sehen bekam, als der normale Besucher der Ausstellung. Offensichtlich hat man bei Leica aber ein bisschen Angst davor, dass Außenstehende zu viel sehen. Das ist zwar schade aber verständlich und ich akzeptiere das natürlich.

 

 

Fazit:

 

Absolut empfehlenswert! Man lernt viel im eigentlichen Workshop und auch der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz. Sowohl der Preis von 590,- Euro als auch die auf sechs Teilnehmer in zwei Gruppen beschränkte Teilnehmerzahl spricht dafür, dass Leica an diesen Kursen kein großes Geschäft macht sondern sie als Investition in zukünftige Kunden sieht. Leica lässt sich dabei an keiner Stelle lumpen und stellt einem immer hochwertiges Equipment und Personal zur Verfügung. Auch bei workshopfremden Anliegen wurde stets unbürokratisch weitergeholfen. Davor ziehe ich meinen Hut. Und dafür bedanke ich mich! Es hätte besser nicht sein können! Weiter so, Leica!

 

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