Mamiya RB67 - Das Mammut unter den Kameras

Im Sammlerrausch habe ich vor gut zwei Jahren auch eine Mamiya RB67 erstanden. Ich war auf der Suche nach einer hochwertigen Mittelformatkamera im Format 6x7 zu einem bezahlbaren Preis. Da mir eine RZ, der elektronisch gesteuerte Nachfolger der RB, zu diesem Zeitpunkt zu teuer war bin ich bei der RB67 hängen geblieben und konnte ein solches Exemplar nach ein bisschen Recherche und einem erfolgreichen Gebot in der eBucht mein Eigen nenne.

 

Ich hatte damals gerade erst angefangen wieder analog zu fotografieren und hatte im Mittelformat nur mit einer alten Rolleiflex Erfahrungen gesammelt. Und nun kam dieser Bolide bei mir an und forderte mich heraus. Als ich das Paket öffnete, war ich erst mal überwältigt von der schieren Masse dieser Kamera: ziemlich groß und mit einem Gewicht von 2,7 KG doch deutlich anders als die mir halbwegs vertraute Rolleiflex. Auch wenn die Kamera bis in die 90er gebaut wurde stammt mein Exemplar aus den frühen 70ern und entspricht dem ersten Modell. Ein Panzer von einer Kamera. Extrem massiv und rein mechanisch. Das Alter und die häufige Verwendung sieht man dem Ding aber nur am partiellen Farbabrieb an. Man könnte meinen, dass RB für RoBust stehen soll. Ich bin mir gar nicht sicher ob ich überhaupt versucht habe einen Testfilm zu belichten oder ob ich das Teil gleich in die Vitrine gestellt habe und mich einer leichter zu bedienenden und zu tragenden Kamera zugewendet habe.

 

Aber wie heißt es so schön: Gut Ding braucht Weile. Für den Sommerurlaub in diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, eine Mittelformatkamera mitzunehmen um einige Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Landschaft zu machen. Ich brauchte also eine Mittelformatkamera mit möglichst kurzer Brennweite. Da bot sich primär die Rolleiflex an, die mit 75 mm die kürzeste Brennweite meiner Mittelformatkameras hat. Aber das 6x6 Format schien mir für Landschaftsaufnahmen nicht so geeignet, womit auch meine heiß geliebte Hasselblad 500C/M aus dem Rennen war. Trotz einiger Auswahl an Kameras schien mir die Mamiya RB67 die einzig Richtige für diese Aufgabe zu sein. Sie hat zwar ein 90 mm Objektiv (ich habe nur dieses eine) aber durch das 6x7 Format schien sie mir der gestellten Aufgabe (Landschaftsaufnahmen) am ehesten gewachsen zu sein. Das Gewicht war für mich kein Argument, da ich mit ihr keine langen Touren machen wollte.

 

Da mir bewusst war, dass ich noch keine brauchbaren Aufnahmen mit dieser Kamera zu Stande gebracht hatte bin ich eines Samstagmorgens mit ihr und meiner Hasselblad durch unser lokales Mittelgebirge gefahren auf der Suche nach brauchbaren Motiven. Ich habe immer jedes Motiv mit beiden Kameras bei gleichen Einstellungen aufgenommen um hinterher einen Vergleich zu haben. Was soll ich sagen? Die Fotos der Hasselblad waren alle hervorragend. Die der Mamiya eine Katastrophe.

 

Wie sich nach dem Entwickeln der Filme herausstellte bin ich an den klassischen Herausforderungen der Mamiya gescheitert: Ich habe nicht mit Spiegelvorauschlag gearbeitet, habe keine Belichtungsanpassung nach der Tabelle am Balgen vorgenommen und vor allem hat es einige Fotos gebraucht bis ich kapiert habe, dass ich den Film selber am Rückteil weiterspulen muss. Aber selbst nach dieser Erkenntnis gab es noch Doppelbelichtungen und leere Stellen auf dem Film.

 

Zum Glück habe ich an dieser Stelle nicht aufgegeben sondern die Herausforderung angenommen, die mir diese Kamera entgegengeschleudert hat. Ich habe mir eine englische Bedienungsanleitung aus dem Netz gezogen und diese studiert und mich um eine normierte Vorgehensweise beim Fotografieren bemüht. Immer wieder die gleichen Handgriffe in der gleichen Abfolge zu machen hilft ungemein, mit dieser Kamera klar zu kommen.

Im Urlaub habe ich dann zwei Filme belichtet - mit durchaus brauchbaren Ergebnissen. Ein, zwei Doppelbelichtungen gab es auch hier zu sehen aber Alles in Allem war das Ergebnis recht brauchbar.

 

Nach dem ich mich entschieden hatte an dieser Stelle etwas über die Mamiya zu schreiben habe ich mich kurzfristig entschlossen noch einmal eine Studiosession mit ihr zu machen. Das war eine sehr gute Entscheidung! Als ich gestern den entwickelten Film eingescannt habe war ich wirklich platt über die optische Qualität und den „look“ den dieses Kamerasystem hervorbringt. Das angeschraubte Sekor 90 / 3.8 Objektiv hat mich wirklich beeindruckt. Knackscharf mit einem tollen Bokeh. Und vor allem kann man damit richtig nah ans Modell ran. Wow! Hier liegen eindeutig die Stärken dieser Kamera, die sie bei Landschaftsaufnahmen gar nicht ausspielen kann. Ich habe diese Monsterkamera wirklich schätzen gelernt und werde sie künftig häufiger im Studio einsetzen.

 

Kameramerkmale:

  • Groß
  • Schwer
  • Rein mechanisch
  • Massiver Maschinenbau
  • Hervorragende Objektive
  • Günstige Anschaffungskosten
  • Hoher Spaßfaktor (wenn man sie bedienen kann)
  • Ein Spiegelschlag wie ein Donner
  • Blitzsynchronisation über den gesamten Belichtungszeitbereich dank Zentralverschluss
  • Wechselmagazin
  • Drehbares Rückteil.

 

Fazit:

 

Wer mit der Mamiya RB67 fotografieren will, muss sein Handwerk verstehen und wird seine Grenzen schonungslos aufgezeigt bekommen. Aber wer sich der Herausforderung stellt und sie meistert wird mit außergewöhnlichen Bildern aus einer Kamera belohnt, die ihres Gleichen sucht. Dabei ist sie auf dem Gebrauchtmarkt durch die lange Herstellungszeit und weite Verbreitung leicht und relativ günstig zu bekommen.

 

Euer Michilux

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