Leica M8 - ein Erfahrungsbericht

Vor gut einem halben Jahr habe ich mir auf Ebay eine fast neuwertige Leica M8 geschossen. Nicht dass dies meine erste Leica gewesen wäre - ich besaß schon eine M6 und eine CL aber eben noch keine digitale Leica. Bisher haben mich die horrenden Preise und der schnelle technische "Verfall" davon abgehalten mir teure Digitalkameras zu kaufen. Bei einer Analogkamera ist die technische Entwicklung abgeschlossen, der Markt ist stabil und ich kann davon ausgehen, sie gegebenenfalls wieder zu etwa dem gleichen Preis loszuwerden, zu dem ich sie gekauft habe - aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls war ich von der M6 und der Art damit zu fotografieren so angetan, dass ich gerne mal herausfinden wollte, wie sich eine digitale Leica anfühlt. Da gerade die neu M (240) auf dem Markt war schien es mir auch preislich ein guter Zeitpunkt für einen Kauf. Für das Gute Stück habe ich in etwa so viel wie für eine vergleichbare M6 zahlen müssen. Als ich meine neue Kamera dann in der Hand hielt und ausprobierte war ich erst mal ein wenig skeptisch. Einige offensichtlichen "Nachteile" fielen mir recht schnell auf:

  • langsames Arbeiten durch fehlenden Autofokus (was mir vorher natürlich klar war).
  • langsames Speichern und Anschauen der Bilder, besonders wenn man mehrere Aufnahmen hintereinander macht.
  • längere Belichtungszeiten ziehen längere Rauschverminderungs- und Speicherzeiten hinter sich her.
  • der nötige UV-Filter, den ich noch nachkaufen musste.
  • Der Crop-Faktor, von etwa 1:1,6, den weder die analogen Leicas noch die neueren Digitalen haben.
  • Die fehlenden Exif-Daten für die Objektive (auch wenn man das wohl teilweise durch 6-bit Codierung ändern kann).
  • der fehlende Sucherrahmen für mein Summicron 2/40, welches bei der CL dabei war und von Leica sehr stiefmütterlich behandelt wird.
  • Dass ich öfters Bilder mit aufgesetztem Objektivdeckel mache, was ich dann erst durch das ewig dauernde Speichern eines schwarzen Bildes bemerke.
  • Nicht mehr ganz zeitgemäße 10 Megapixel

Nach dem ersten Rumfummeln war ich kurz davor, die Kamera wieder zu Geld zu machen. Habe ich zum Glück aber nicht! Im Sommerurlaub wollte ich ihr eine zweite Chance geben und habe Sie neben meiner Spiegelreflex (Pentax K-5) mit eingepackt und mitgenommen. Schleppte ich am Anfang meist noch beide Kameras mit mir rum blieb die Dicke Pentax irgendwann immer öfter im Auto. Mit der Übung kommt dann die Überzeugung. denn neben den oben genannten Nachteilen hat die M8 auch einige nicht zu verachtende Vorteile:

  • Sehr bewusstes Fotografieren statt inflationärem Knipsen.
  • Sehr wenig Platzbedarf.
  • Wenig Gewicht, da die Objektive etwa um Faktor 3 kleiner sind als bei einer Spiegelreflexkamera.
  • Ideal für Infrarotfotografie, da der Sensor das "richtige" Lichtspektrum durch lässt.
  • Man hat das Gefühl mit einem wirklich wertigen Gerät zu arbeiten.
  • Ein Hersteller mit hervorragendem Service im eigenen Land.
  • Eine gewisse Exklusivität bei gleichzeitigem Understatement.
  • Das absolute Killer-Argument ist aber die Schärfe und der look der Aufnahmen.

Die Bilder wirken, saubere manuelle Fokussierung natürlich vorausgesetzt, extrem scharf. Schärfer als es der Pentax-Aufofokus hinbekommt. Ein Punkt über den man freilich streiten kann ist der Weißabgleich. Ich habe des Öfteren gelesen, dass er als Manko angesehen wird. Ich kann nur sagen: Ich liebe ihn. Er wirkt sehr warm und satt. Wenn man das nicht mag, kann man das ja bei der Bildretusche anpassen aber das ist bei mir nur selten der Fall. Ich jedenfalls habe eine "neue" Standardkamera und habe mich schon bei der Überlegung erwischt, eine M9 oder sogar M zu kaufen.

 

Kürzlich war ich auf einer Hochzeit eingeladen und habe, nur zum Spaß, mit der M8 fotografiert. Die für die Hochzeitsfotos bezahlte Fotografin, die mit zwei ziemlich schweren Canon EOS 1 um den Hals rumlief meinte irgendwann zu mir:

"Oh! Eine Leica! Gute Wahl, aber wenn ich damit rumliefe würde mich keiner ernst nehmen!"

Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

 

Mein Fazit:

Mit dem Kauf einer Leica M8 bekommt man auf alle Fälle eine Kamera mit Charakter. Keine Alleweltskamera aus Japan sondern deutscher Maschinenbau. Nicht alles ist gut - aber alles ist extrem. Ich jedenfalls habe mich in die M8, ihre Vorzüge und Macken verliebt und will sie nicht mehr missen. Und einige der Schwächen der M8 hat die M9 ja nicht mehr. Vieleicht, eines Tages...

 

Euer Michilux

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